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Therapie der "Schambeinentzündung" - ohne Operation

Zuerst einmal die gute Nachricht. Die allermeisten Patienten, die an einer sog. "Schambeinentzündung" leiden, können ohne Operation behandelt werden.

Ich versuche hier bewusst die Informationen möglichst einfach zu halten. Die korrekte Diagnose der "Schambeinentzündung" beinhaltet sehr viele verschiedene Untersuchungen und Tests und besitzt meist mehrere Facetten. Deshalb hier ein kurzer Übersichtsartikel, der in den nächsten Wochen noch um einen detailierten Artikel ergänzt werden wird.

 

Meistens ist nach korrekter Diagnosestellung der "Schambeinentzündung" eine lange Zeit einzuplanen um die Beschwerden wieder los zu werden. Als allererstes muss eine exakte Diagnose fest stehen! Wenn andere weitere Diagnosen ausgeschlossen sind (wie zum Beispiel ein Leistenbruch), kann eine konservative Therapie, sprich eine Therapie ohne Operation eingeleitet werden. Sinnvoll ist es in der Regel mit physiotherapeutischen Übungen zu beginnen. 

 

Physiotherapie

Im Fokus der Physiotherapie steht der Muskelaufbau und die Verbesserung der Haltung insbesondere der Rumpfmuskulatur. Anspannungs- und Dehnungsübungen sollen zu einem harmonischeren Muskelzug am vorderen Beckenring führen. Wie im vorherigen Artikel schon festgestellt besteht bei einer Schambeinentzündung oft ein Ungleichgewicht des Muskelzuges sowohl in Richtung der Adduktoren, als auch in Richtung der Bauchmuskulatur. Dieses Ungleichgewicht muss mit den korrekten Physiotherapiemaßnahmen behoben werden. Das Ziel ist, dass weniger Kräfte am Schambein wirken, sodass die Entzündungsreaktion am Knochen zur Ausheilung kommen kann. Begleitet wird die Physiotherapie durch eine adäquate Schmerztherapie insbesondere durch entzündungshemmende Mittel (NSAR, z.B. Ibuprofen u.ä.).

 

Infiltrationen

Infiltrationen sind sowohl therapeutisch als auch diagnostisch sinnvoll. Im Rahmen der Diagnose ist es möglich in die Symphyse Kontrastmittel unter Röntgenkontrolle einzuspritzen um einen Kontrastmittelaustritt sehen zu können, welcher auf eine Verletzung in dem jeweiligen Bereich hindeutet. Zur Therapie kann die Infiltration eingesetzt werden um ein Lokalanästhetikum einzuspritzen, was gegebenenfalls noch mit Cortison versetzt wird. Hiermit kann sowohl eine Schmerzreduktion als auch eine Entzündungshemmung herbeigeführt werden.

 

Stoßwelle

Als neuere Therapie hat sich die Stoßwellentherapie als nützliches Tool in der konservativen Therapie der Schambeinentzündung heraus kristallisiert. Hierbei wird durch Applikation von Stoßwellen die Heilung der Schambeinentzündung bzw. eine Entzündungshemmung angeregt. Über welche Mechanismen das genau funktioniert ist bis jetzt noch nicht ausreichend geklärt.

 

Weitere Maßnahme wie Injektionen von PRP (platelet rich plasma) o.ä. werde ich in einem gesonderten Artikel kommentieren.

 

In unserem Algorithmus zur konservativen Therapie steht als allererstes die korrekte Diagnose im Vordergrund. Danach sollte mit der Physiotherapie begonnen werden. Flankiert werden muss dies mit medikamentöser Therapie, Infiltration und gegebenenfalls einer Stoßwellentherapie. Oberste Priorität hat aber auch, dass der Patient zunächst für mehrere Wochen kein Sport machen darf. 

Falls eine konservative Therapie keinen ausreichenden Erfolg bringt, sollte an eine möglichst minimal invasive Operation gedacht werden, um schnell wieder ein return to sports zu erreichen.

 

Bild: © Kenhub (www.kenhub.com); Illustrator(in): Liene Znotina

 

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